ASV 2 verliert 3,5-4,5 in Kerpen und fällt auf den Zweiten Platz zurück

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Am dritten Adventswochenende stand für uns das Auswärtsspiel in Kerpen an. Unter anderem durch die Nähe zum Weihnachtsfest und die Überschneidung mit dem Spiel der Ersten in Bochum, war die Personalsituation alles andere als ideal und es stand ein nominell etwa ausgeglichener Kampf an.

Durch die Erfolge in den Runden zuvor waren wir trotzdem optimistisch diesen Kampf erfolgreich gestalten zu können, gerade weil wir in ähnlichen Aufstellungen die letzten zwei Jahre in Kerpen sehr erfolgreich waren (6-2 und 5-3 Siege).


Nach etwa einer Viertelstunde konnte Ersatzmann Peter am siebten Brett überfallartig das Führungstor schießen. Sein Gegner, der die Eröffnung nicht kannte, gab erst durch eine Fesselung im siebten Zug einen Bauern ab und stellte dann drei Züge später den gefesselten Springer auch noch ein. [1-0]

Mein Gegner wählte mit den weißen Steinen gegen meinen Königsinder den Aufbau mit g3 und tauschte in der Folge auf e5 ab und es entstand eine sehr positionelle Stellung mit schon deutlich verringertem Gewinnpotential. Ich dachte an ein Remisangebot und machte einen ersten Rundgang durch die Reihen.

Norbert hatte zu diesem Zeitpunkt am Spitzenbrett aus der Eröffnung heraus eine sehr angenehme Stellung erhalten, Frank seine Vorbereitung erfolgreich angewendet und auch Spiros hatte seinen bevorzugten Aufbau erfolgreich aufs Brett stellen können. Adrian konnte in der Eröffnung in der Cambridge Springs-Variante den Bauern auf a2 erobern, Ralf hatte eine sizilianische Theoriestellung und bei Franz-Josef waren durch den Trompowski seiner Gegnerin schnell alle Pfade der gängigen Theorie verlassen.

So entschied ich mich also im Anbetracht der guten Aussichten im 13. Zug für ein Remisangebot, welches nach etwas überlegen auch angenommen wurde. [1,5-0,5] Nun wurde bis zur Zeitkontrolle lange keine Partie entschieden und an allen Brettern entstanden sehr spannende Stellungen mit teilweise deutlichem Zeitunterschied.

Norbert konnte dann als nächster seine Partie erfolgreich gestalten, nachdem sein Gegner im Mittelspiel keinen aktiven Plan fand. In der Folge wurde der weiße Angriff auf die Rochade des Gegners unwiderstehlich. Diese Partie war sehr zielstrebig und kraftvoll vorgetragen. [2,5-0,5]

Ähnlich kraftvoll agierte dann leider die Gegnerin von Franz-Josef. Trotz knapper werdender Zeit nutzte sie eine strategisch kritische Entscheidung früh mit h6 den Königsflügel zu schwächen aus und nach einem ungenauen Verteidigungszug opferte sie drei Figuren in die schwarze Königsstellung, um damit den Monarchen einmal über das Brett zu treiben und das geopferte Material mit Zinsen zurückzugewinnen. [2,5-1,5]

Spiros hatte im Mittelspiel eine strategisch sehr gute Stellung bekommen und konnte mit einem starken Springerzug fast schon entscheidenden positionellen Vorteil erlangen. Er fand stattdessen leider nicht den richtigen Plan und übersah dann bei knapper werdender Zeit einen guten Verteidigungszug der ihn dazu zwang seine Dame zu opfern. Da es dafür jedoch viele verschiedene und schwer zu berechnende Möglichkeiten gab, fand er die Beste, die zu einem remislichen Endspiel mit T+L gegen Dame geführt hätte nicht und gab wenig später seine Partie auf. [2,5-2,5]

Ralf hatte im Mittelspiel Mühe die weiße Aktivität einzugrenzen und musste in der Zeitnotphase eine Qualität geben, was zu einer Verluststellung führte. Sein Gegner schaffte es dann auch schnell den Vorteil gewinnbringend umzusetzen indem er viel Material vom Brett tauschte und durch einen taktischen Trick eine Figur gewann. [2,5-3,5]

Nun sah der Mannschaftskampf also alles andere als gut aus, da auch Adrian seine Möglichkeiten in der Eröffnung liegen ließ und mit einem Minusbauern und passiver Stellung sich der Verteidigung widmen musste. Frank musste daher in materiell ausgeglichener, aber positionell leicht besserer Stellung nun das Risiko erhöhen und auf Gewinn spielen. Dies führte allerdings dazu, dass er bei beiderseits knapper Zeit eine taktische Wendung übersah und eine Qualität geben musste.

Es keimte aber bald wieder etwas Hoffnung auf, da Adrian in ein Turmenspiel mit Minusbauer abwickeln konnte, welches sein Gegner sehr unpräzise spielte. Adrian dagegen zeigte gute Technik und begünstigt durch einen Bauerneinsteller seines Gegners gewann er im Nachgang auch noch einen weiteren Bauern. Sein Gegner entschied sich dann seinen vorletzten verbliebenen Bauern für einen laufenden Bauern zu geben, welcher allerdings rechtzeitig auf b7 durch Turmopfer abgefangen werden konnte. Adrian hatte währenddessen seine drei verbundenen Freibauern am Königsflügel weit genug vorgerückt und konnte einfach gewinnen. Diese Leistung ist aufgrund der Tatsache, dass Adrian nach der verpassten Chance in der Eröffnung die gesamte Partie mit dem Rücken zur Wand stand und sein Gegner deutlich stärker war als er (1863 DWZ) gar nicht hoch genug einzuschätzen. Schon seine erste Partie diese Saison konnte Adrian mit einem Turmopfer im Endspiel gewinnen.[3,5-3,5]

Bei Frank sah es lange Zeit so aus, als ob das verwerten des Materialvorteils seiner Gegnerin gar nicht so einfach sein würde, jedoch konnte sie im richtigen Moment ein Turmpaar tauschen und einen Freibauern entscheidend in Szene setzen. Damit mussten wir uns das erste Mal diese Saison geschlagen geben [3,5-4,5]

Bei den Gründen für diese Niederlage kann man sicherlich die vielen Absagen zu diesem Kampf anführen, jedoch würde das dem tatsächlichen Verlauf nur bedingt gerecht werden. Sicherlich hätte es geholfen, wenn jeder Spieler ein Brett tiefer gespielt hätte, jedoch waren die Chancen für einen Sieg oder ein 4-4 auf jeden Fall da. Beide Ersatzspieler konnten ja ihre Partie auch gewinnen.

Würselen konnte im Spitzenspiel Herzogenrath deutlich besiegen, wodurch wir die Tabellenführung ersteinmal abgeben müssen. Wir befinden uns jetzt einen Mannschaftspunkt hinter Würselen auf Platz 2 und haben mit einem Sieg im direkten Duell noch alle Chancen auf einen möglichen Aufstieg. Jedoch dürfen wir uns auch in den anderen verbliebenen Kämpfen jetzt keinen Punktverlust mehr erlauben.

Weiter geht es für uns mit einem Heimspiel am 10. Januar 2016 gegen Aufsteiger Eilendorf.