Neujahrsopen: Christian Braun gewinnt!

Die 5. und entscheidende Runde unseres Aachener Neujahropens bot großes Schach. Die Ausgangslage war klar: IM Christian Braun mußte mit Schwarz gegen FM Xianliang Xu, der nach der 4.Runde als einziger Spieler noch keinen Punkt abgegeben hatte gewinnen, wenn er noch Turniersieger wollte. Je nach Ausgang der Partie am Spitzenbrett konnten sich mit 3.5 Punkten noch Shridhar Rajashekarraju, Christoph Köllner und Philipp Schulze-Schwering Hoffnungen auf den Turniersieg machen. Entsprechend hart wurde an den vorderen Brettern gekämpft. Während sich im Laufe des Abends die hinteren Bretter lehrten und die viele Teilnehmer bereits im Analysepartien wilde Blitzpartien austrugen, wurde an den ersten sechs Brettern noch harte Arbeit verrichtet.

Besonders stach dabei die Partie an Brett 4 heraus, in der Taylan Gülsen gegen Marcel Singh das überaus seltene Endspiel mit zwei Läufern gegen einen Springer erreicht hatte. Die Computer haben herausgefunden, das der Gewinn in diesem Endspiel immer möglich ist, aber von manchen Stellungen aus kann es 66 Züge dauern, bis der Springer gefangen genommen werden kann. Taylan nahm aber eine Abkürzung und setzte seinen Gegner schon im 33.Zug nach dem dem letzten Schlagfall matt.

In der Zwischenzeit war auch die Partie Schulze-Schwering-Köllner remis ausgegangen. Weiß hatte zwar einen „schlechten“ Läufer im Endspiel, aber beide Spieler meinten, daß Gewinnversuche für Schwarz nur gewaltsam möglich und mit zu hohen Risiken verbunden gewesen wären. Damit fielen beide Spieler aus dem Rennen um den Turniersieg heraus. Am 3. Brett hatte Shridhar Rajashekarraju sich gegen Dr. Mikhail Gourevitch einen Vorteil verschafft, und an einer Stelle wohl sogar einen klaren Gewinn verpaßt. Das Endspiel mit zwei Springern gegen Springer und Läufer war dann aber trotz eines Mehrbauern nicht zu gewinnen, weil Schwarz im Notfall ja immer seine Figuren für die weißen Bauern hätte opfern können. Also ebenfalls Remis.

Und damit war klar, daß der Sieger am Spitzenbrett alleiniger Turniersieger sein würde. Christian hatte sich von Anfang an mächtig ins Zeug gelegt und in einer Art moderner Verteidigung eine strategisch komplizierte Stellung angestrebt. Durch ein langfristiges Bauernopfer übernahm er die Herrschaft über die schwarzen Felder, während Weiß etwas Probleme mit seinem weißfeldrigen Läufer hatte, der durch sechs eigenen Bauern eingeschränkt war. Aber trotzdem wirkte die weiße Stellung sehr fest und es begann eine lange Phase des Manövrierens. Mag sein, daß Schwarz ohnehin etwas besser stand, aber in der entscheidenden Phase der Partie spielte die Uhr vielleicht die entscheidende Rolle, denn Christian hatte sich noch einige Minuten zur aufgespart, während Xianliang nur noch auf dem Inkrement spielte, und seine Uhr mehrmals auf weniger als fünf Sekunden herunterlief. Irgendwann bekam Christian mit Dame und Turm Zugang zum weißen König, wodurch die weiße Stellung unhaltbar wurde.

Somit hatten wir am Ende einen ungeteilten Sieger mit 4.5 Punkten, was ein wenig überraschend war, da es nach der 3.Runde sogar noch so aussah, als könnte es sogar zwei punktgleiche Sieger mit 5 aus 5 geben. Aber der Sieg war auf jeden Fall hochverdient. Hinter Christian folgte ein dichtes Feld von acht Spielern mit vier Punkten: in in Reihenfolge der Feinwertung Shridhar Rajashekarraju, Christof Köllner, Xianliang Xu, Taylan Gülsen, Philipp Schulte-Schwering, Florian Biermann, Ruben Gideon Köllner und Lenhard Biermann. Für den Turnierleiter ergab sich das glückliche Ende, das keiner dieser Spieler ohne Preis nach Hause gehen mußte, obwohl nur sechs Hauptpreise ausgeschrieben waren, denn die drei letztgenannten nahmen den U1900 Ratingpreis und die U20 bzw. U16-Jugendpreise mit. Ferner verdiente sich Dr. Mikhail Gourevitch mit seiner hartnäckigen Verteidigungsleistung und der besten Feinwertung unter den Spielern mit 3,5 Punkten den Seniorenpreis. Der U1700-Ratingpreis ging an Kevin Deider, der mit zwei Außenseitersiegen in den ersten beiden Runden für Furore gesorgt hatte, und in der Schlußrunde mit einem Englund-Gambit im Anzug noch einen einen elostärkeren Gegner überrumpelte. Er hat dementsprechend auch von allen Spielern den größtem Elo-Zuwachs, nämlich 117 Punkte, zu verzeichnen. Den U1500-Ratingpreis gewann Tim Lennart von DJK Arminia Eilendorf vor seinem Vereinskameraden Alwin Mainka.

Zum guten Schluß möchte der Turnierleiter seinen vielen Helfern danken, insbesondere Adrian Yanes und Leo Jünger. Der DWZ-Referent des Aachener Schachverbandes hat schnelle Arbeit geleistet, so daß die Auswertung des Turniers schon am Samstag Abend im Netz aufrufbar war. Außerdem geht ein großes Dankeschön an die Mitarbeiter des Aachener Umweltamtes, die uns für die Woche Ihren Sitzungssaal zur Verfügung gestellt haben.

Demnächst werden wir auch noch einige Photos, die während des Turniers gemacht wurden, hier veröffentlichen. Da der Turnierleiter am Wochende selber in der Mannschaft spielen mußte, ging es mit dem Update der Webseite leider etwas langsamer.