Bericht vom 5. Neujahrsopen 2016

Am Tag vor dem Turnier hatten wir 40 Voranmeldungen und da sich ja erfahrungsgemäß viele Spieler erst am Spieltag entscheiden, ob sie an einem Turnier teilnehmen möchten, bauten wir am Vorabend 32 Bretter im Sitzungssaal des Umweltamtes auf. (Vielen Dank an Christoph, Paul, Adrian und Frank fürs Anpacken.) Insofern wurden nicht alle unsere Hoffnungen erfüllt, als zum Meldeschluß um 9.55 Uhr „nur“ 47 Teilnehmer ihr Startgeld gezahlt hatten. Zu diesem Zeitpunkt fällte ich dann – gegen alle festen Vorsätze – die Entscheidung, als Nr. 48 in das Turnier einzusteigen, um die Anzahl geradzahlig zu machen. Damit war ich dann um 10.00 Uhr Spieler, DWZ-Favorit, Turnierleiter, Schlüsselmeister, Kaffeekocher und Berichterstatter in Personalunion, worunter der letzte Aspekt besonders leiden mußte, denn allzuviel habe ich vom Turnier eigentlich nicht mehr mitbekommen. Frank und Adrian, die sich um die Küche kümmerten, ging es wahrscheinlich ähnlich.

Das Feld war bunt gemischt, wobei die Hälfte der Teilnehmer von außerhalb Aachens kam, viele aus den Verbänden Mittel- und Niederrhein. Die mit Abstand weiteste Anreise hatte Manfred Lenhardt vom SC Weisse Dame Berlin. Die Familie Köllner kam mit vier Personen und drei späteren Preisträgern aus Bergneustadt.

In der ersten Runde wurde das typische Schweizer-System Verfahren „Obere Hälfte gegen Untere Hälfte“ veranstaltet. Dabei gelangen den Underdogs zwei „Upsets“ durch Abdul Jazmati (Eilendorf) und Wolfgang Römhild (ASV) und ein Remis durch Hüseyin Turp (Oberhausener SV).

In der zweiten Runde gab es schon sehr viel mehr ausgeglichenere Paarungen, aber trotzdem nur drei weitere Remisen, so daß am Ende des ersten Turniertages neun Spieler ihre beiden Auftaktpartien gewonnen hatten. Darunter der 11-jährige Ruben Köllner und Arndt Borkhardt aus Düsseldorf, der nach jahrelanger Schachabstinenz mit einem Sieg gegen den einzigen Titelträger im Feld, Frank Dischinger, Comeback feierte.

In der dritten Runde wurde Herr Borkardt allerdings von Moritz Schaum gestoppt, und ich persönlich würgte gegen Ruben den ganzen Punkt aus einem Endspiel Dame plus Bauer gegen Dame.  Manfred Lenhardt, Guido Schott (SV Hennef) und Stefan Pick (SK Kerpen) gewannen die anderen Partien an den vorderen Brettern, so daß sich zwei Runden vor Schluß ein Spitzenquartett gebildet hatte. Für den Turnierleiter ein beruhigender Moment, denn somit war sichergestellt, daß es Ende des Turniers nicht zwei Sieger mit jeweils 5 Punkten geben würde.

Die vierte Runde brachte keine Vorentscheidung, denn die beiden Spitzenbegegnungen Pick-Lamby und Lenhardt-Schott endeten beide remis, die erste weil Schwarz mit drei Mehrbauern die gegnerischen Türme nicht unter Kontrolle bringen konnte und die zweite nach einem sehr komplizierten Kampf, der sich aus einer holländischen Eröffnung ergeben hatte. Merkwürdigerweise führten diese Ergebnisse nicht dazu, daß ein weiterer Spieler zur Spitze aufschloß, denn die beiden einzigen Spieler mit bis dahin 2.5 Punkten, Moritz Schaum (SF Erkelenz) und Tobias Schüller (Eschweiler SC) trennten sich ebenfalls friedlich, wenn auch erst nach fünf Stunden und nur weil es gar nicht anders mehr ging: beider Könige mußten im Bauernendspiel die gegnerischen verbundene Freibauern im Auge behalten und konnten nichts mehr unternehmen.

In der Schlußrunde hießen die Paarungen dann Lamby-Lenhardt und Schott-Pick. Letztere endete schnell mit einem Großmeisterremis, hauptsächlich, weil Guido Bereitschaftsdienst hatte. Das Turnier wurde dann am ersten Brett entschieden, wo ich mit großem Vorteil aus einer französischen Eröffnung herauskam, welchen ich dann mit drei Tassen Kaffee auf Kosten meiner Nachtruhe verwertete.

Am Ende des Turniers gab es dann 20 Preise (6 Hauptpreise und 14 Kategorienpreise) für die 48 Teilnehmer, was dazu führte, daß einige Spieler von ihrem eigenen Preis überrascht wurden. Die sechs Hauptpreisträger kann man der Tabelle entnehmen. Die Damenpreise gingen an Lena Dellert (SG Trier) und Felicitas Köllner (Bergneustadt); die Seniorenpreise gewannen Dr. Peter Voleske und Ralf Rache und blieben damit beim ausrichtenden Verein. Die U20-Jugendpreise gingen an Ruben Köllner und Paul Wilhelm (ASV), wobei Ruben natürlich auch den U16-Preis hätte gewinnen können, der so aber an Kevin Deider (DJK Aufwärts) weitergereicht wurde. Der zweite U16 Preis ging an Eva Rudolph (Düsseldorf).
Die Ratingpreise in den Kategorien U1900, U1700 und U1500 wurden von Detlef Röfe (SVG Alsdorf) mit einem halben Buchholzpunkt vor Ralf von der Weiden (ASV), Wolfgang Römhild (ASV) vor Denny Ringeltaube (Klub Kölner SF) und Njöman Sumeratha (DJK Arminia Eilendorf) vor Borna Mohammadi Mia (DJK Aufwärts) gewonnen.

Insgesamt war es ein sehr schönes Turnier ohne Streitfälle und ich glaube, die Organisation ist
uns ganz gut gelungen. Ein paar Bilder gibt es hier. (Vielen Dank an André Maaß). Es ist jedenfalls geplant, das Turnier im kommenden Jahr zu wiederholen, und ich würde mich freuen, die Teilnehmer von diesem Jahr dann wieder begrüßen zu können. Ich selber würde dann aber meine Multitasking-Kapazitäten nicht gerne wieder so strapazieren, sondern mich aufs Schiedsrichtern beschränken.